Langwirksames Analogon des humanen IGF-1 (83 Aminosäuren) mit stark verringerter Affinität zu den IGFBP-Bindungsproteinen, wodurch es sich als Zellkultur-Werkzeug für die Untersuchung der IGF-1R-Signalübertragung, der Proliferation und des Zellüberlebens eignet. Fläschchen mit 1 mg, lyophilisiertes Pulver, Reinheit ≥ 99 % HPLC, durch Drittanalyse bestätigt. Reagenz ausschließlich für die Laborforschung; jede Anwendung am Menschen oder am Tier ist ausgeschlossen.
Untersuchte Forschungsbereiche
- Zellproliferation und Zelldifferenzierung
- IGF-1R-Signalübertragung (PI3K/Akt, MAPK)
- Zellkultur in definiertem Medium
Technische Daten
| Feld | Wert |
|---|---|
| Name | IGF-1 LR3 |
| Dosierung | 1 mg |
| Sequenz / Zusammensetzung | Long-R3-Analogon des IGF-1 (83 AS) |
| Molekulargewicht | ≈ 9.111 Da |
| CAS-Nummer | 946870-92-4 |
| Ziel / Mechanismus | IGF-1-Rezeptor (IGF-1R) |
| Form | Lyophilisiertes Pulver (sofern nicht anders angegeben) |
| Reinheit | ≥ 99 % (HPLC) — siehe Chargen-COA |
Was „Long R3“ gegenüber nativem IGF-1 verändert
Die Bezeichnung ist kein Werbebegriff: Sie beschreibt zwei genau definierte Modifikationen.
Natives humanes IGF-1 umfasst 70 Aminosäuren bei rund 7,6 kDa. Die Long-R3-Variante umfasst 83: dreizehn zusätzliche Reste am N-Terminus, daher das Präfix „Long“, sowie der Austausch des Glutamats in Position 3 gegen ein Arginin, daher das „R3“.
Das entscheidende Kriterium lässt sich auf einem Analysenzertifikat überprüfen: hier ≈ 9.111 Da gegenüber ≈ 7.649 Da für natives rekombinantes IGF-1. Eine Differenz dieser Größenordnung ist keine Chargenschwankung — es handelt sich um ein anderes Molekül.
Beide Modifikationen bewirken einen starken Abfall der Affinität zu den sechs IGFBP-Bindungsproteinen; die Literatur beschreibt eine Verringerung um etwa zwei Größenordnungen. In serumhaltigem Medium oder in einer Kultur, in der die Zellen selbst IGFBP sezernieren, wird natives IGF-1 in großem Umfang gebunden, und der freie — allein rezeptoraktive — Anteil bricht ein. Das Long-R3-Analogon entgeht dieser Bindung weitgehend.
Der fast immer ausgelassene Punkt: Die Affinität zum IGF-1R selbst ist nicht erhöht, sie wird als geringfügig niedriger als die des nativen Peptids beschrieben. Der scheinbare Aktivitätsgewinn ist somit an eine Bedingung geknüpft — er besteht nur in Gegenwart von Bindungsproteinen. In einem gereinigten System ohne IGFBP ist Long R3 nicht wirksamer als natives IGF-1, entgegen der Vorstellung eines „verstärkten IGF-1“.
Untersuchter Wirkmechanismus
Zielstruktur ist der IGF-1-Rezeptor (IGF-1R), eine heterotetramere Rezeptortyrosinkinase vom Typ α₂β₂. Die Bindung an die extrazellulären α-Untereinheiten löst die Autophosphorylierung der β-Untereinheiten und anschließend die Rekrutierung von Adapterproteinen aus.
Nachgeschaltet werden zwei Zweige beschrieben: der Weg IRS-1/2 → PI3K → Akt → mTORC1, in Modellen mit Proteinsynthese und Zellüberleben assoziiert, sowie der Weg Shc → Grb2/SOS → Ras → Raf → MEK → ERK1/2, der mit proliferativen Antworten in Verbindung gebracht wird.
Bei hoher Konzentration ist eine Kreuzbindung an den Insulinrezeptor und an IR/IGF-1R-Hybridrezeptoren beschrieben: eine klassische Artefaktquelle, die sich nur durch eine vollständige Dosis-Wirkungs-Kurve ausschließen lässt.
Was die Literatur zeigt
Long R3 wird vor allem als Zellkultur-Werkzeug beschrieben: In serumfreiem, definiertem Medium dient es dort als Wachstumssupplement, wo natives IGF-1 durch IGFBP neutralisiert würde, mit höherer Aktivität bei gleicher Masse — gerade weil das System Bindungsproteine enthält.
Was die Literatur nicht zeigt:
- Zu IGF-1 LR3 existiert kein klinisches Studienprogramm am Menschen. Das Molekül ist in keiner Rechtsordnung als Arzneimittel geprüft oder zugelassen, und es liegen keinerlei Daten zu Wirksamkeit oder Sicherheit beim Menschen vor.
- Ein Arzneimittel auf Basis von rekombinantem IGF-1 existiert durchaus — Mecasermin, zugelassen bei schwerem primärem IGF-1-Mangel unter strenger ärztlicher Überwachung. Dabei handelt es sich um natives humanes IGF-1 mit 70 Aminosäuren, ein von diesem Reagenz verschiedenes Molekül: Seine Daten lassen sich nicht auf das hier angebotene Produkt übertragen, das kein Arzneimittel ist.
- Die IGF-1R-Achse wird in der experimentellen Onkologie als proliferativer Signalweg untersucht, was eine Handhabung durch qualifiziertes Personal erfordert und keinerlei Übertragung auf Anwendungen erlaubt.
- Die Halbwertszeit im Kreislauf wird als länger als die des freien nativen IGF-1 beschrieben, doch die veröffentlichten Werte schwanken je nach Spezies; ein Konsenswert lässt sich nicht angeben.
Rekonstitution: ein Rechenbeispiel
Das Fläschchen enthält 1 mg. Die Rekonstitution erfolgt mit bakteriostatischem Wasser, das Benzylalkohol enthält und daher mehrfache Entnahmen zulässt.
Mit 2 mL bakteriostatischem Wasser in einem Fläschchen zu 1 mg:
- resultierende Konzentration: 1 mg ÷ 2 mL = 0,5 mg/mL, also 500 mcg/mL;
- auf einer U-100-Spritze entspricht 1 mL 100 IE der Skala, somit 10 IE der Skala = 0,1 mL = 50 mcg;
- das Fläschchen liefert 20 Entnahmen zu je 10 IE.
Der häufigste Stolperstein: Das Wasservolumen verändert niemals die Produktmenge im Fläschchen. Eine Rekonstitution mit 1 mL statt 2 mL ergibt 1 mg/mL statt 0,5 mg/mL — dieselbe Gesamtmasse in einem halb so großen Volumen. Nur das zu entnehmende Volumen ändert sich.
Um ein anderes Volumen oder eine andere Spritzengröße zu prüfen, rechnet unser Rekonstitutionsrechner direkt und zeigt die zu entnehmende Skalenmarkierung an.
Zu beachtende Handgriffe: das Lösungsmittel langsam an der Fläschchenwand entlang zugeben, ablaufen lassen, dann sanft schwenken. Weder kräftiges Schütteln noch Vortexen — Scherkräfte denaturieren Proteine. Manche In-vitro-Protokolle schreiben ein anderes Lösungsmittel vor, etwa einen verdünnten sauren Puffer: In diesem Fall hat das Protokollblatt Vorrang.
Lagerung
Das lyophilisierte Pulver wird bei -20 °C oder darunter gelagert, vor Licht und Feuchtigkeit geschützt. Ungeöffnet und so gelagert ist das Lyophilisat über mehrere Jahre stabil.
Nach der Rekonstitution Lagerung bei 2–8 °C, vor Licht geschützt: Der Referenzzeitraum beträgt 28 Tage. Für eine längere Aufbewahrung ist das Aliquotieren in gefrorene Fraktionen wiederholten Einfrier-Auftau-Zyklen am Hauptfläschchen vorzuziehen.
Häufige Fehler im Labor
- Long R3 als universell „verstärktes IGF-1“ behandeln. Der Vorteil besteht nur in Gegenwart von IGFBP; im gereinigten System wird die Affinität zum IGF-1R als geringfügig niedriger als die des nativen Peptids beschrieben.
- Es mit nativem rekombinantem IGF-1 verwechseln. 83 gegenüber 70 Aminosäuren, ≈ 9.111 Da gegenüber ≈ 7.649 Da: Die Masse im COA genügt zur Unterscheidung, und die Daten des einen gelten nicht für das andere.
- Bei hoher Konzentration ohne Dosis-Wirkungs-Kurve arbeiten. Die Kreuzbindung an den Insulinrezeptor macht die Zuordnung des Signals allein zum IGF-1R unsicher.
- Sehr stark verdünnen ohne Trägerprotein. Ein Protein von ~9 kDa adsorbiert an Kunststoff und Glas, woraus ein unbemerkter Titerverlust entsteht.
- Steriles Wasser für ein Fläschchen mit Mehrfachentnahme verwenden, vortexen oder wiederholt einfrieren. Jeder dieser Handgriffe zerstört einen Teil des Materials.
Häufig gestellte Fragen
Worin unterscheiden sich IGF-1 LR3 und natives IGF-1?
Natives IGF-1 umfasst 70 Aminosäuren bei etwa 7.649 Da; Long R3 umfasst 83 bei etwa 9.111 Da, bedingt durch eine Verlängerung um dreizehn Reste am N-Terminus und den Austausch des Glutamats in Position 3 gegen ein Arginin. Diese Modifikationen verringern die Affinität zu den IGFBP erheblich, ohne die Affinität zum Rezeptor zu erhöhen.
Was bedeutet „Long R3“ genau?
„Long“ bezeichnet die Verlängerung um dreizehn Aminosäuren am N-Terminus; „R3“ bezeichnet den Austausch der Glutaminsäure in Position 3 gegen ein Arginin. Beide Modifikationen verfolgen dasselbe Ziel: die Bindung durch die Bindungsproteine zu verringern.
Ist IGF-1 LR3 in allen Systemen wirksamer als natives IGF-1?
Nein, und das ist die verbreitetste Verwechslung. Der Vorteil besteht nur in einem System mit Bindungsproteinen — Serum oder von den Kulturzellen sezernierte IGFBP. In einem gereinigten System ohne IGFBP wird die Affinität des Analogons zum IGF-1R als geringfügig niedriger als die des nativen Peptids beschrieben.
Welcher Rezeptor wird angesteuert?
Der IGF-1-Rezeptor (IGF-1R), eine heterotetramere Rezeptortyrosinkinase vom Typ α₂β₂. Seine Aktivierung löst die Autophosphorylierung der β-Untereinheiten und anschließend die Signalwege IRS/PI3K/Akt/mTORC1 sowie Shc/Ras/ERK1/2 aus. Bei hoher Konzentration ist eine Kreuzbindung an den Insulinrezeptor beschrieben.
Gibt es klinische Studien zu IGF-1 LR3?
Nein. Zu diesem Analogon existiert kein klinisches Studienprogramm am Menschen, und es ist nirgendwo als Arzneimittel zugelassen. Ein Arzneimittel auf Basis von rekombinantem IGF-1 existiert zwar, Mecasermin, doch dabei handelt es sich um natives humanes IGF-1 mit 70 Aminosäuren: ein anderes Molekül, dessen Daten sich nicht auf das hier angebotene Reagenz übertragen lassen.
Womit wird dieses Produkt rekonstituiert?
Mit bakteriostatischem Wasser, das Benzylalkohol enthält und mehrfache Entnahmen ermöglicht. Einfaches steriles Wasser ist ungeeignet, sobald das Fläschchen mehr als einmal angestochen wird. Manche In-vitro-Protokolle schreiben ein anderes Lösungsmittel vor, etwa einen verdünnten sauren Puffer: In diesem Fall hat das Protokoll Vorrang.
Welche Konzentration ergeben 2 mL bakteriostatisches Wasser?
0,5 mg/mL, also 500 mcg/mL. Auf einer U-100-Spritze entsprechen 10 IE der Skala dann 0,1 mL und 50 mcg, was 20 Entnahmen pro Fläschchen ergibt.
Wie lange ist die rekonstituierte Lösung haltbar?
28 Tage bei 2–8 °C, vor Licht geschützt — das ist der Referenzzeitraum für ein rekonstituiertes Fläschchen. Darüber hinaus ist das Aliquotieren im gefrorenen Zustand wiederholten Einfrier-Auftau-Zyklen vorzuziehen.
Welche Reinheit wird angegeben und in welchem Rahmen darf das Produkt verwendet werden?
Die Reinheit beträgt ≥ 99 %, per HPLC verifiziert, mit einem Analysenzertifikat einer unabhängigen Stelle je Charge, das die gemessene Masse ausweist; damit lässt sich bestätigen, dass tatsächlich Long R3 (≈ 9.111 Da) und nicht natives IGF-1 vorliegt. Das Produkt ist der Labor- und In-vitro-Forschung durch qualifiziertes Personal vorbehalten: weder für den menschlichen oder tierischen Verzehr noch für diagnostische oder therapeutische Zwecke.
NEXUS Quality Standard
Jede NEXUS-Forschungssubstanz wird unter strengen Qualitätskontrollverfahren hergestellt. Jede Charge durchläuft unabhängige analytische Prüfungen zu Identität, Gehaltsgenauigkeit, Reinheit, mikrobiologischer Sicherheit, Endotoxinwerten, Schwermetall-Screening und vollständiger Chargenrückverfolgbarkeit.
Nur für die Laborforschung. IGF-lr3 1mg ist nicht für den menschlichen oder tierischen Verzehr geeignet. Weder Arzneimittel noch Lebensmittel oder Kosmetikum. Von qualifiziertem Personal gemäß den geltenden Vorschriften zu handhaben.