Natives zyklisches Nonapeptid und Agonist am Oxytocin-Rezeptor (OXTR), das als Referenzsubstanz in In-vitro-Modellen der Gq/11-Signalübertragung sowie in der vergleichenden Pharmakologie der Oxytocin-/Vasopressin-Rezeptoren eingesetzt wird. Fläschchen mit 5 mg, lyophilisiertes Pulver, Reinheit ≥ 99 % HPLC, durch Drittanalyse bestätigt. Ausschließlich für die Laborforschung bestimmt.
Untersuchte Forschungsbereiche
- OXTR-Signalübertragung in vitro (Gq/11-Weg, Calciummobilisierung)
- Kreuzselektivität OXTR / Vasopressin-Rezeptoren V1a
- Neuroverhaltens- und Glattmuskelkontraktionsmodelle (Tiermodelle)
Technische Daten
| Feld | Wert |
|---|---|
| Name | Oxytocin |
| Dosierung | 5 mg |
| Sequenz / Zusammensetzung | Cys-Tyr-Ile-Gln-Asn-Cys-Pro-Leu-Gly-NH₂ (zyklisch) |
| Molekulargewicht | ≈ 1.007,2 Da |
| CAS-Nummer | 50-56-6 |
| Ziel / Mechanismus | Oxytocin-Rezeptor (OXTR) |
| Form | Lyophilisiertes Pulver (sofern nicht anders angegeben) |
| Reinheit | ≥ 99 % (HPLC) — siehe Chargen-COA |
Natives Peptid oder Analogon: warum diese Unterscheidung alles verändert
Unter der Bezeichnung „Oxytocin“ kursieren zwei sehr unterschiedliche Substanzkategorien, und die Wahl zwischen ihnen bestimmt sowohl die Belastbarkeit eines Literaturvergleichs als auch den Umgang mit dem Fläschchen.
Diese Referenz ist das native Nonapeptid: die ursprüngliche Sequenz ohne jede Modifikation, ein Ring aus sechs Resten, geschlossen durch eine Cys1–Cys6-Disulfidbrücke und verlängert durch einen C-terminal amidierten Pro-Leu-Gly-Schwanz. Es ist jenes Molekül, dessen Struktur zu Beginn der 1950er-Jahre aufgeklärt und dessen Synthese damals gelang — das erste jemals synthetisierte Polypeptidhormon, eine Arbeit, die mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet wurde.
Analoga sind eigenständige Moleküle. Die pharmazeutische Entwicklung hat modifizierte Varianten gerade deshalb hervorgebracht, weil das native Peptid empfindlich und sehr kurzlebig ist: Entfernung der Aminogruppe in Position 1, Ersatz der Disulfidbrücke durch eine reduktionsbeständige Thioetherbrücke, Methylierung einer Seitenkette. Stabiler, länger persistierend — und pharmakologisch verschieden. Ein an einem Analogon erhobenes Ergebnis lässt sich nicht auf das native Peptid übertragen, und ebenso wenig umgekehrt.
Ein zweiter, subtilerer Verwechslungspunkt: Oxytocin und Vasopressin unterscheiden sich in lediglich zwei Aminosäuren, in den Positionen 3 und 8. Zwei Reste von neun. Oxytocin ist daher nicht vollkommen selektiv für seinen eigenen Rezeptor und zeigt eine messbare Aktivität an den Vasopressin-Rezeptoren, insbesondere an V1a. Ein Protokoll, das dem OXTR eine Antwort zuschreibt, die ohne V1a-Antagonisten als Kontrolle gewonnen wurde, setzt seine Schlussfolgerung genau diesem Einwand aus.
Und schließlich die Stabilität in Lösung — der am meisten unterschätzte Punkt. Die Disulfidbrücke, die den Ring schließt, ist für die Aktivität unentbehrlich und zugleich die Schwachstelle des Moleküls. In wässrigem Milieu beschreibt die Literatur mehrere konkurrierende Abbauwege: intermolekularen Disulfidaustausch, der inaktive Dimere und Oligomere hervorbringt; Desamidierung der Asparagin- und Glutaminreste; durch Spuren von Metallionen katalysierte Reaktionen. Deren Geschwindigkeit hängt stark von Temperatur, pH-Wert und Puffer ab — daher die dokumentierte Bedeutung der Kühlkette für Oxytocin-Lösungen und der nicht verhandelbare Charakter des gefrorenen Aliquotierens. Praktische Folge: Jedes Reduktionsmittel (DTT, β-Mercaptoethanol) im Puffer inaktiviert das Peptid, indem es den Ring öffnet.
Untersuchter Wirkmechanismus
Der Oxytocin-Rezeptor OXTR ist ein G-Protein-gekoppelter Rezeptor der Klasse A mit sieben Transmembrandomänen. Seine kanonische Kopplung erfolgt an Gαq/11, das die Phospholipase C β aktiviert. Das Enzym hydrolysiert PIP2 zu Inositoltrisphosphat (IP3) und Diacylglycerin (DAG): IP3 setzt Calcium aus intrazellulären Speichern frei, DAG aktiviert die Proteinkinase C. Stromabwärts beschreiben die Modelle zudem die Rekrutierung der MAPK-Wege, insbesondere ERK1/2.
Je nach zellulärem Kontext wird auch eine alternative Kopplung an Gi/o-Proteine beschrieben: Dieselbe Rezeptorbesetzung kann somit von einem Zelltyp zum anderen gegensätzliche Signale hervorbringen — was vor jeder Übertragung zwischen Zelllinien zu bedenken ist.
Die Literatur beschreibt darüber hinaus eine Abhängigkeit der hochaffinen Bindung von Membrancholesterin und zweiwertigen Kationen, insbesondere von Magnesium. Das ist keine theoretische Kuriosität: In Membranbindungsstudien beeinflussen die Lipidzusammensetzung der Präparation und der Magnesiumgehalt des Puffers unmittelbar die gemessenen Konstanten und erklären einen Teil der Abweichungen zwischen Laboren.
Pharmakokinetisch wird das native Peptid mit einer Plasmahalbwertszeit in der Größenordnung weniger Minuten beschrieben; an seinem Abbau sind insbesondere Aminopeptidasen beteiligt — genau jener Parameter, den die modifizierten Analoga korrigieren sollten.
Was die Literatur zeigt
Die belastbare Grundlage ist peripher und zellulär: Die Pharmakologie des OXTR an glattmuskulären Geweben gehört zu den am besten charakterisierten der Endokrinologie, und Oxytocin dient dort seit Jahrzehnten als Standard. Assays zur Calciummobilisierung, Konzentrations-Wirkungs-Kurven am rekombinanten Rezeptor, kompetitive Bindungsstudien: Dieses Korpus ist reproduzierbar.
Die zentrale Seite ist weit weniger gesichert, und das muss deutlich gesagt werden. Eine umfangreiche Arbeitsrichtung hat die intranasale Gabe von Oxytocin und deren vermutete Wirkungen auf die soziale Kognition untersucht. Diese Literatur hat erhebliche Replikationsschwierigkeiten erfahren: kleine Effektstärken, geringe Stichprobenumfänge, methodische Heterogenität, dokumentierter Publikationsbias. Zwei grundsätzliche Grenzen bleiben bestehen. Erstens ist weiterhin umstritten, welche Oxytocin-Menge nach intranasaler Gabe tatsächlich das Zentralnervensystem erreicht; ein Konsens wurde darüber nie erzielt. Zweitens fand eine 2021 veröffentlichte multizentrische randomisierte kontrollierte Studie im Kontext der Autismus-Spektrum-Störung keinen Vorteil gegenüber Placebo, was die früheren Schlussfolgerungen erheblich relativiert.
Mit anderen Worten: Die Literatur zeigt eine robuste Rezeptorpharmakologie und zeigt keine gesicherte Dosis-Wirkungs-Beziehung für Verhaltensendpunkte beim Menschen.
Rekonstitution: ein Rechenbeispiel
Das Fläschchen enthält 5 mg. Die Rekonstitution erfolgt mit bakteriostatischem Wasser, das Benzylalkohol enthält und daher mehrfache Entnahmen erlaubt.
Mit 2 mL bakteriostatischem Wasser in einem 5-mg-Fläschchen:
- erhaltene Konzentration: 5 mg ÷ 2 mL = 2,5 mg/mL, also 2.500 mcg/mL;
- auf einer U-100-Spritze entspricht 1 mL 100 IE, somit 10 IE = 0,1 mL = 250 mcg;
- das Fläschchen liefert 20 Entnahmen zu je 10 IE.
Der häufigste Stolperstein: Das Wasservolumen ändert niemals die Peptidmenge im Fläschchen. Eine Rekonstitution mit 1 mL statt 2 mL ergibt 5 mg/mL statt 2,5 mg/mL — dieselbe Gesamtmasse in einem halb so großen Volumen. Nur das zu entnehmende Volumen ändert sich.
Eine für dieses Molekül spezifische Falle: Die „IE“ einer U-100-Spritze sind nicht die internationalen Einheiten des Oxytocins. Die U-100-Skala ist eine Volumenskala (1 IE = 0,01 mL), vom Insulin übernommen; Oxytocin besitzt einen eigenen internationalen Standard, der damit in keinem Zusammenhang steht. In der Forschung wird in Masse und Konzentration gerechnet (mg/mL, mcg).
Um ein anderes Volumen oder eine andere Spritzengröße zu prüfen, rechnet unser Rekonstitutionsrechner direkt mit und zeigt die abzulesende Skalenmarkierung an.
Zu beachtende Handgriffe: das Lösungsmittel langsam an der Fläschchenwand entlang zugeben, ablaufen lassen, dann sanft schwenken. Weder kräftiges Schütteln noch Vortexen — Scherkräfte denaturieren Peptide.
Lagerung
Das lyophilisierte Pulver wird bei -20 °C oder darunter, vor Licht und Feuchtigkeit geschützt, aufbewahrt. Ungeöffnet und so gelagert ist das Lyophilisat über mehrere Jahre stabil.
Nach der Rekonstitution Lagerung bei 2–8 °C, vor Licht geschützt: Der Referenzzeitraum beträgt 28 Tage. Für eine längere Aufbewahrung ist das Aliquotieren in gefrorene Fraktionen wiederholten Einfrier-Auftau-Zyklen am Hauptfläschchen vorzuziehen.
Häufige Fehler im Labor
- Ein an einem Analogon erhobenes Ergebnis mit dem nativen Peptid vergleichen. Thioetherbrücke, Desaminierung, Methylierung: Das sind verschiedene Moleküle mit verschiedenen Profilen.
- Auf einen „OXTR-Effekt“ schließen, ohne einen V1a-Antagonisten als Kontrolle. Zwei Aminosäuren trennen Oxytocin von Vasopressin; die Kreuzaktivität an V1a ist dokumentiert und muss experimentell ausgeschlossen werden.
- Ein Reduktionsmittel in den Puffer einbringen. DTT oder β-Mercaptoethanol öffnen die Cys1–Cys6-Disulfidbrücke und inaktivieren das Peptid.
- In stark verdünnter Lösung ohne Blockierungsmittel arbeiten. Bei niedrigen Konzentrationen adsorbieren Peptide an Kunststoff- und Glaswänden: Die tatsächliche Konzentration fällt unter die nominelle.
- Die Lösung wiederholt erneut einfrieren. Jeder Zyklus baut einen Teil des Peptids ab, und der Disulfidaustausch erzeugt inaktive Oligomere. Bereits bei der Rekonstitution aliquotieren.
Häufig gestellte Fragen
Worin unterscheiden sich natives Oxytocin und seine Analoga?
Natives Oxytocin ist das ursprüngliche, unveränderte Nonapeptid, geschlossen durch eine Cys1–Cys6-Disulfidbrücke. Analoga sind eigenständige Moleküle, bei denen die Disulfidbrücke, das N-terminale Ende oder eine Seitenkette verändert wurde, um Stabilität und Lebensdauer zu erhöhen. Ein an einem Analogon erhobenes Ergebnis lässt sich nicht auf das native Peptid übertragen.
Wie unterscheidet sich Oxytocin von Vasopressin?
Nur durch zwei Aminosäuren, in den Positionen 3 und 8, von den neun, die beide Peptide umfassen. Diese ausgeprägte strukturelle Nähe erklärt, warum Oxytocin nicht vollkommen selektiv für seinen eigenen Rezeptor ist und eine messbare Aktivität an den Vasopressin-Rezeptoren zeigt, insbesondere an V1a.
Welcher Rezeptor wird angesprochen und über welchen Signalweg?
Der OXTR, ein G-Protein-gekoppelter Rezeptor der Klasse A. Seine kanonische Kopplung erfolgt an Gαq/11 und aktiviert die Phospholipase C β, die IP3 und DAG erzeugt, intrazelluläres Calcium mobilisiert und die Proteinkinase C aktiviert; je nach Zelltyp wird zudem eine alternative Kopplung an Gi/o beschrieben.
Warum gilt Oxytocin in Lösung als instabil?
Weil die Disulfidbrücke, die den Ring schließt und für die Aktivität unentbehrlich ist, zugleich seine Schwachstelle darstellt. In wässrigem Milieu beschreibt die Literatur einen Disulfidaustausch, der inaktive Dimere und Oligomere hervorbringt, eine Desamidierung der Asparagin- und Glutaminreste sowie durch Spuren von Metallionen katalysierte Reaktionen — all dies durch die Temperatur beschleunigt.
Was zeigt die Literatur zu Oxytocin nicht?
Sie zeigt keine gesicherte Dosis-Wirkungs-Beziehung für Verhaltensendpunkte beim Menschen. Die Arbeiten zur intranasalen Gabe und zur sozialen Kognition haben erhebliche Replikationsschwierigkeiten erfahren, die tatsächlich das Zentralnervensystem erreichende Menge bleibt umstritten, und eine 2021 veröffentlichte multizentrische randomisierte Studie im Kontext der Autismus-Spektrum-Störung fand keinen Vorteil gegenüber Placebo.
Welche Reinheit wird angegeben und was enthält das COA?
Die Reinheit beträgt ≥ 99 %, per HPLC verifiziert, mit einem von Dritten je Charge erstellten Analysenzertifikat. Das COA weist die Identität des Peptids, seine gemessene Molmasse und das chromatographische Profil der gelieferten Charge aus: Es ist das einzige Dokument, mit dem sich überprüfen lässt, dass der Inhalt des Fläschchens der bestellten Referenz entspricht.
Womit wird dieses Peptid rekonstituiert?
Mit bakteriostatischem Wasser, das Benzylalkohol enthält und mehrfache Entnahmen erlaubt. Einfaches steriles Wasser eignet sich nicht, sobald das Fläschchen mehr als einmal angestochen wird. Zu vermeiden ist zudem jeder Puffer mit einem Reduktionsmittel, das die Disulfidbrücke öffnen würde.
Welche Konzentration ergibt sich mit 2 mL bakteriostatischem Wasser?
2,5 mg/mL, also 2.500 mcg/mL. Auf einer U-100-Spritze entsprechen 10 IE dann 0,1 mL und 250 mcg, was 20 Entnahmen je Fläschchen ergibt. Zu beachten: Diese „IE“ sind eine vom Insulin übernommene Volumenskala (1 IE = 0,01 mL) und stehen in keinem Zusammenhang mit den internationalen Einheiten des Oxytocins.
Wie lange ist die rekonstituierte Lösung haltbar?
28 Tage bei 2–8 °C, vor Licht geschützt — das ist der Referenzzeitraum für ein rekonstituiertes Fläschchen. Darüber hinaus ist das gefrorene Aliquotieren wiederholten Einfrier-Auftau-Zyklen vorzuziehen.
In welchem Rahmen darf dieses Produkt verwendet werden?
Ausschließlich für die Labor- und In-vitro-Forschung durch qualifiziertes Personal. Es ist weder für den menschlichen oder tierischen Verzehr noch für diagnostische oder therapeutische Zwecke bestimmt.
NEXUS Quality Standard
Jede NEXUS-Forschungssubstanz wird unter strengen Qualitätskontrollverfahren hergestellt. Jede Charge durchläuft unabhängige analytische Prüfungen zu Identität, Gehaltsgenauigkeit, Reinheit, mikrobiologischer Sicherheit, Endotoxinwerten, Schwermetall-Screening und vollständiger Chargenrückverfolgbarkeit.
Nur für die Laborforschung. Oxytocin 5mg ist nicht für den menschlichen oder tierischen Verzehr geeignet. Weder Arzneimittel noch Lebensmittel oder Kosmetikum. Von qualifiziertem Personal gemäß den geltenden Vorschriften zu handhaben.